Mark-Zuckerberg-Facebook

Facebook Newsfeed – Weniger Nachrichten und mehr Familie & Freunde

Facebook wird seinen Newsfeed komplett überholen und neu aufsetzen ließ Firmenchef Mark Zuckerberg verlautbaren. Im Hintergrund wird eifrig am Algorithmus gefeilt, damit dieser weniger Nachrichten, aber dafür mehr Inhalte von Freunden und Familie zeigt. Inmitten mehrerer Kontroversen rund um Hasskommentaren, Fake News sowie der mutmaßlichen Wählerbeeinflussung beim Brexit-Votum und der US-Präsidentenwahl geriet das soziale Netzwerk verstärkt unter Druck.

Die künftigen Änderungen haben zum Ziel den Newsfeed mit „relevanten Inhalten“ und „sinnvollen sozialen Interaktionen“ zu füllen. Dies scheint in letzter Zeit verstärkt vernachlässigt worden zu sein, bestimmen doch Hasskommentare und die Verbreitung von Fake News die Schlagzeilen, wenn es auf Facebook zu sprechen kommt. Bevor das noch positive Image des weltgrößten sozialen Netzwerks weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, tüftelt man kurzerhand am Algorithmus. Dieses komplexe Gebilde bestimmt, was jeder einzelne User auf seinem Newsfeed zu sehen bekommt. Beeinflusst wird dieser von Freunden, Fanpages oder sonstigen Interaktionen im Netz außerhalb von Facebook.

Nun sollen, wie Zuckerberg am gestrigen Donnerstag mitteilte, Bilder, Videos und Artikel von Unternehmen und Nachrichtenportalen abgestuft werden. Sprich, ihre Inhalte gelangen seltener an die Nutzer. Im Gegenzug werden Inhalte von Familien und Freunden bevorzugt. Wie die Technikseite CNET es treffend formuliert, wird es künftig „weniger Nachrichtenartikel, aber mehr Babyfotos“ geben. Laut Zuckerberg sei man mit dem aktuellen Newsfeed vom Ziel abgekommen die Nutzer miteinander zu vernetzen. Facebook verspüre die Verpflichtung, dass die User auf dem Netzwerk nicht nur „Spaß haben“, sondern auch zu ihrem „Wohlbefinden beizutragen“.

Der Schritt, den Newsfeed umzugestalten, hat allerdings nicht nur uns Nutzer im Blick. Es geht auch darum die Politik zu besänftigen, bevor sie noch drastischere Maßnahmen gegen das soziale Netzwerk unternimmt. Das seit Jahresanfang hierzulande geltende „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ ist solch eine Maßnahme, mit der Hasskommentaren beigekommen werden soll. Es drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro, sollten solche Kommentare ungelöscht bleiben.

Ob mit der Neuausrichtung des Newsfeed solch Phänomenen wie „Filterblasen“ ein Ende bereitet wird ist unklar. Auch ist unsicher, ob durch die Minderung von Nachrichtenartikeln die Gemüter besänftigt werden, da die Nutzer eben häufiger Familienfotos zu sehen bekommen statt Bilder eines Flüchtlingsstroms. Zumindest gab Facebook noch Ende letzten Jahres zu, dass selbst die passive Nutzung von sozialen Netzwerken einen negativen Effekt auf die menschliche Psyche haben kann. Als Lösung schlug das Netzwerk vor, mehr Zeit auf Facebook und mit anderen Menschen zu verbringen. Eine recht paradoxe Antwort auf ein spät erkanntes Defizit.

Ganz besonders die Medien geraten durch die Änderungen unter Druck. Allein in den USA sollen Zweidrittel der US-Amerikaner laut einer Pew Research Center Studie ihre Nachrichten aus sozialen Netzwerken beziehen. Wie Nachrichtenseiten und Unternehmen auf ein sinkendes Engagement und geringere Klickzahlen reagieren wird spannend zu beobachten sein. Aber vielleicht erspart man sich künftig den Weg über Facebook und steuert seine Nachrichtenseiten eben direkt an. Das mag zwar etwas unbequem sein, hat aber wenigstens den Nebeneffekt, dass man seine Wahl etwas bewusster und unabhängig von Facebook trifft.

Bild: appleinsider.com